Extratour Galgenberg

GalgenbergLogo ExtratourenKommen Sie mit auf eine Tour in den nordöstlichen Bereich unserer Region. Wandern Sie von Gemünden, zwischen Kellerwald und Burgwald gelegen, zur Hugenottensiedlung Hertingshausen und genießen Sie die Ausblicke auf den Kellerwald und das Wohratal.

Ausgangspunkt der abwechslungsreichen Tour ist die mittelalterliche Stadt Gemünden, die erstmals 1223 urkundlich erwähnt wurde. Vorbei an Feldern und Wiesen steigt der Weg bergan zum Galgenberg und bietet während seines Verlaufs viele schöne Ausblicke auf die umgebenden Täler und Höhen von Burg- und Kellerwald.

Teils im geheimnisvollen Wald, teils an idyllischen Waldrändern entlang führt die Route zur Hugenottensiedlung Hertingshausen, einem Ortsteil der Gemeinde Wohratal. Bei gutem Wetter bieten sich immer wieder Fernsichten auf den Kellerwald, das Wohratal und sogar auf den ehemaligen Bischofsitz Amöneburg.

Die Verbindung von Geschichte und Kultur mit der schönen Mittelgebirgslandschaft des Burgwalds bietet ein abwechslungsreiches Wandererlebnis im Nordosten der Region Burgwald und am Rande des Nationalparks Kellerwald.

Höhenprofil Galgenberg

Ausblick „Perle“ (290m)

Von der Anhöhe am Rande des Wohratals aus bietet sich ein phantastischer Ausblick über den Kellerwald und das Wohratal bis hin zur Amöneburg, dem ehemaligen Bischofssitz des englischen Missionars Bonifatius, der im 8. Jahrhundert die ganze Region christianisierte.

Hertingshausen

Archäologische Funde lassen vermuten, dass die Gegend um Hertingshausen und Gemünden bereits in der Steinzeit besiedelt war. Spätestens jedoch seit dem 12. Jahrhundert sind Siedlungsspuren gesichert. Das Dorf lag damals an der Grenze zwischen fränkischem und sächsischem Besitz, später an der Grenze zwischen Kurmainz (Rosenthal) und der Landgrafschaft Hessen. Diese Grenzlage dürfte sicherlich einen Einfluss auf die Siedlungsstruktur des Dorfes gehabt haben (wehrhafte bäuerliche Ansiedlung).

Der Ort Hertingshausen wird im Hessischen Staatsarchiv Marburg zum ersten Mal als „Hettingishusen“ anno 1340 erwähnt, als der in Gemünden ansässige Burgmann von Linsingen seine Lehnsrechte an zwei Frankenberger Bürger verkaufte. Bis Mitte des 15.Jahrhunderts war Hertingshausen jedoch wüst gefallen und gehörte ab 1471 zum Amt Rauschenberg. 1694 stellte Landgraf Karl von Hessen-Kassel die Einöde hugenottischen Familien zur Ansiedlung zur Verfügung. Die Familien Boucsein, Foignand, Canel, Moru sowie der Pfarrersohn und spätere Pfarrer Martin gründeten, über Schwabendorf kommend, an der Stelle des wüst liegenden Dorfes die Siedlung Hertingshausen.

Aus den anfänglichen Barackenbehausungen entwickelte sich Dank reichlicher Landausstattung rasch eine wohlhabende Kolonie. Typisch für die hugenottische Siedlungsstruktur ist die Anlage der Wohngebäude als reine Ein- bis Zweifamilienhäuser, durchsetzt mit ländlichen Anwesen. Die Häuser sind vorwiegend in Fachwerkbauart ausgeführt. Heute ist Hertingshausen mit ca. 200 Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Wohratal.

Ausblick oberhalb des Judenfriedhofs (310 m)

Die Tour führt von Hertingshausen weiter zu einer Anhöhe, von wo aus sich ein herrlicher Blick in die Umgebung bietet. Im Osten tauchen am Horizont, umgeben von den Bergkuppen des Hohen Lohrs, des Wüstegarten und des Jeust, die ersten Häuser von Löhlbach auf. In den bewaldeten Höhen zwischen Löhlbach und dem Hohen Lohr befindet sich das Quellgebiet der Wohra.

Aus dem Tal, in dem sich die Stadt Gemünden den Blicken weitgehend entzieht, lugt nur die Kirchturmspitze eines der höchsten hölzernen Turmhelme Deutschlands hervor - das Wahrzeichen der Stadt. In südwestlicher Richtung sind in der Ferne die Windkraftanlagen von Gilserberg zu erkennen.

Judenfriedhof

Der Judenfriedhof ist Zeugnis eines Stücks Geschichte der Stadt Gemünden. Die zahlreichen Grabsteine an diesem Ort, die weit in die Zeit vor 1800 zurückweisen, bezeugen eine rege jüdische Gemeinde. In den Gerichts- bzw. Salbüchern von Gemünden sind jüdische Bürger als Abgabenpflichtige bereits für das 16. Jahrhundert vermerkt. Für ihr Wohnrecht mussten sie „Schutzgelder“ bezahlen, die ein Vielfaches der Steuerlast nicht jüdischer Bürger betrug. Auch hatten Juden mit dem Status von „Beisassen“ nur ein eingeschränktes, sog. „kleines“ Bürgerrecht.

Das Stadtbuch von 1823 verzeichnet die Errichtung einer Synagoge, die 1938 zerstört wurde. 25 Jahre später wird auch eine jüdische Schule erwähnt. Diese wurde in 1887 von 44 Kindern besucht. 1889 umfasste die Gemündener jüdische Gemeinde 17 Familien mit insgesamt 70 Personen; 1933 waren es noch 44 jüdische Einwohner. Wann und wo der letzte Gemündener Jude vertrieben oder deportiert wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. Belegt ist, dass Israel Hirsch mit seiner Tochter Berta und Enkelin Ilse 1939 nach Frankfurt zogen – später wurden sie alle drei ermordet. Die letzte Bestattung auf dem Judenfriedhof fand 1936 statt.

Gemünden

Eingebettet zwischen den Ausläufern des Kellerund Burgwaldes erstreckt sich das Gebiet der Stadt Gemünden im Wohratal. Ehemals mündeten sieben Bäche in die Wohra und gaben der Siedlung ihren Namen. Zwar stammt die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1223, archäologische Funde weisen jedoch bereits auf eine Besiedelung in der Keltenzeit hin. Bei Gemünden querte die Heerstrasse von Frankenberg nach Treysa die Wohra. Der Knotenpunkt verband die Stadt Marburg mit Kassel über die bedeutenden Orte Rauschenberg, Kirchhain, Kloster Haina, Wildungen und Fritzlar.

1250 verlieh der hessischen Landgraf die Stadtrechte an Gemünden mit dem Ziel, ein Bollwerk im Machtkampf gegen das Mainzer Erzbistum zu errichten. 1266 verfügte die Stadt über ein Gemeinwesen mit Markt, herrschaftlicher Münze, Burgbrunnen und Stadtmauer. Nachdem die gesamte Grafschaft Ziegenhain durch Erbfolge 1450 an den hessischen Landgrafen fiel, verlor Gemünden seine Bedeutung als Grenzfestung. Diese politische und wirtschaftliche Schwächung bestimmte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die Entwicklung der Stadt. Stadtbrände, Pest und Kriege taten ihr Übriges.

Erst ab 1900 wuchs die Zahl der Einwohner kontinuierlich. Heute zählt die Stadt Gemünden rund 4300 Einwohner. Viele historische Gebäude und Plätze aus der wechselvollen Geschichte laden den Wanderer zu einem Rundgang und zum Verweilen in der mittelalterlichen Fachwerkstadt ein.

Mitten zwischen Burgwald und Kellerwald

Unter diesem Motto weist die Stadt Gemünden auf Ihre Lage zwischen zwei Naturräumen hin, die hessenweit von besonderer Bedeutung sind. Über den Burgwald haben wir bereits an anderer Stelle berichtet. Der Kellerwald ist ebenfalls ein großes Waldgebiet, das aber von alten Buchenbeständen geprägt ist. Zum Schutz dieser Buchenwälder wurde hier ein Nationalpark eingerichtet, dessen Ziel es ist, die ‚Faszination Wildnis im Reich der urigen Buchen‘ erlebbar zu machen und gleichzeitig diese wertvollen Buchenbestände für die nachfolgenden Generationen zu sichern.

Besuchen Sie doch einmal das Nationaparkzentrum in Vöhl-Herzhausen. Hier erfahren Sie mehr über den Kellerwald, die urigen Buchen und ihre Bewohner. Verschiedene, z.T. auch geführte Wanderungen laden darüber hinaus ein, das große Waldgebiet, die stillen Täler, den Edersee sowie Tiere und Pflanzen der Region zu erkunden.

Essen und Trinken

  • Gemünden: Alter Bahnhof,
    Mi.-Fr. ab17 Uhr, Sa. ab 12 Uhr, So. ab 10 Uhr, Mo.+Di. Ruhetag, Tel. 06453-595, Hotel Restaurant Hessischer Hof, Di.-Do. 10-14 Uhr u. ab 16:30 Uhr, Fr.-So. ab 10 Uhr, Tel. 06453-356