Knebelsrodtour

KnebelsrodLogo ExtratourenAm nördlichen Rand des Burgwalds wandern Sie entlang des Listenbachs auf die höchste Erhebung des Waldgebietes. Vom Aussichtsturm aus genießen Sie einen weiten Blick auf die umliegenden Höhen und auf die in die Landschaft eingebetteten Siedlungen.

Weite Fernsichten auf das hessische Upland, die Lützeler Berge sowie auf Ortsteile von Frankenberg bietet diese Extratour, die den Wanderer in den Geheimnis umwitterten nördlichen Teil des Burgwaldes führt.

Am sagenumwobenen Listenbach und Hexentanzplatz vorbei führt der Weg zur höchsten Erhebung des Burgwaldes – dem Knebelsrod (443 m). Ein Aussichtsturm lädt zur Rast und zum Genießen des Panoramas ein.

Hier, an der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser, führten schon in vorchristlichen Zeiten fünf bedeutende Höhenwege vorbei, die später auch die frühen christlichen Missionare erwandert haben. Der Frankenberger Ortsteil Friedrichshausen erzählt die Siedlungsgeschichte der Region im 18. Jahrhundert.

Seine malerische Lage in der Mittelgebirgslandschaft kann von einigen höher gelegenen Wegepunkten eingesehen werden. Abwechslungsreiche Landschaft und spannende Geschichte sind mit dieser Tour auf besondere Weise verknüpft.

Höhenprofil Knebelsrod

1 Pfingstzug zum Listenbach

Seit erdenklichen Zeiten beginnt das Frankenberger Pfingstfest am Freitag vor Pfingsten mit dem prächtigen traditionellen Marsch zum Listenbach. Bei Marschmusik nehmen Prominenz, Fußvolk und bunt kostümierte Kinder aus den Frankenberger Grundschulen an dem Zug teil.

Vor dem ersten Weltkrieg hatte der Zug einen ausgesprochen militärischen Charakter. Er wurde von einem Hauptmann, dem „obersten“ Schüler angeführt. Die Knaben waren in Uniformen gekleidet, die denen des kaiserlichen Militärs glichen. Ein Butzemann trug neben dem Stock eine blumengeschmückte Axt. Er sorgte für Ordnung im Zug. Die städtischen Arbeiter schlugen beim Listenbach Maibäume, die in der Stadt Frankenberg aufgestellt wurden.

Woher stammt dieser Brauch? Es gibt mehrere Erklärungen. Eine davon ist, dass die grünen Pfingstbäumchen die germanische Frühlingsgöttin Freya verkörperten. Der schwarze Butzemann stellt den Winter dar, und die Kriegerschar deutet auf den Kampf des Frühlings gegen den Winter hin – also ein Brauch aus heidnischer Vorzeit.

Weitere Erklärungen sind eine Belagerung der Stadt Frankenberg, deren Einnahme nur durch Vortäuschung großer Truppenstärke durch Uniformierung von Kindern abgewendet werden konnte sowie der prächtige Einzug eines Kardinals im 16. Jahrhundert.

Heute sieht die Forschung den Frankenberger Pfingstmarkt als „Gegenreaktion“ der im 17. Jahrhundert konkurrierenden Marktgründungen. Der dazugehörige Maizug entwickelte sich einerseits aus den Grenzgangsfesten als auch aus dem alljährlich stattfindenden Freischießen der damals existierenden Schützengesellschaften.

2 Die Hexe von Willersdorf

Willersdorf wurde 1294 erstmalig als "Wilhartisdorf" in einer Urkunde erwähnt. Nach 1616 siedelten sich Bergleute im Ort an. Willersdorf ist heute ein Stadtteil von Frankenberg mit rund 630 Einwohnern. Gut dokumentiert ist das Schicksal der sogenannten Hexe von Willersdorf, die 1633 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – von ihrem siebenjährigen Pflegesohn der Hexerei beschuldigt wurde und vor das peinliche Gericht in Marburg gestellt wurde.

Der Junge sagte aus, die Frau habe ihn geschlagen und gezwungen, von Christus abzuschwören. Danach musste er auf dem Stock mit ihr zu einem Hexentanzplatz fliegen und dort sonderbaren Ritualen huldigen. Die Beklagte weist zunächst die Vorwürfe lachend zurück, denn sie hält das Ganze für einen Witz und ist sich des Ernstes der Lage nicht bewusst. Nach mehrmaligen Foltern über Monate hinweg gesteht sie und streitet alles auch wieder ab, „aus großer Furcht vor der Tortur“ wie sie sagte.

Nach einem letzten Geständnis wird die Frau zur Todesstrafe mit Schwert und Feuer verurteilt. Die letzte Hexe in Hessen wurde 1688 in Rosenthal hingerichtet.

3 Knebelsrod

Knebelsrod ist der höchste Berg des Burgwaldes (443 m). Die Buntsteinplatte des Burgwaldes ist nach Süden geneigt, so dass hier im Norden die größte Erhebung erreicht wird. An diesem Punkt verläuft auch die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Fünf, von Grabhügeln begleitete, vorgeschichtliche Höhenwege gingen einst vom Knebelsrod aus, die später auch von christlichen Missionaren genutzt wurden.

An diesen Wegen entstanden u.a. die Bergkirchen Christenberg, Espenkirche, Quernst- und Forstkirche. Von der Aussichtsplattform sind das Lützeler Gebirge mit der Sackpfeife im Südwesten und das hessische Upland im Norden zu sehen.

4 Ausblick auf die Stadt Frankenberg (Eder)

Von einer Anhöhe vor Friedrichshausen ist die Stadt Frankenberg (Eder) im Dunst zu sehen. Sie wurde 720 n. Chr. an der Kreuzung zweier alter Heer- und Handelsstraßen als Festung errichtet. Um 1234 ließ der thüringisch-hessische Landgraf auf dem Bergrücken über der Eder eine Burg und die Altstadt erbauen. 1335 wurde am Fuß des Berges die Neustadt gegründet. Die malerische Altstadt und die Fußgängerzone mit zahlreichen historischen Gebäuden und Fachwerkhäusern laden zum Bummeln und Einkaufen ein. Bekannteste Sehenswürdigkeit ist das zehntürmige Rathaus mit Glockenspiel, eines der schönsten Fachwerkrathäuser Deutschlands.

5 Friedrichshausen

Der Ort Friedrichshausen wurde 1777 vom Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel gegründet. Zwanzig Familien siedelten sich auf dem nur teilweise landwirtschaftlich genutzten, meist aber brachliegenden östlichen Teil der Frankenberger Gemarkung an. Von der Stadt erhielten sie das Land, vom Landgrafen Friedrich die Häuser und Darlehen zur Anschaffung von Vieh und Arbeitsgeräten.

Schwere Zeiten haben die Siedler mitmachen müssen, und nur die tüchtigsten von ihnen, deren Blut noch heute in den Adern vieler Friedrichshäuser Familien fließt, gelang es, durch harte Arbeit dem kargen Boden das tägliche Brot abzuringen. Mit der Verbesserung der Landwirtschaft kamen auch bessere Zeiten, und Friedrichshausen entwickelte sich zu einer blühenden Gemeinde. Heute ist Friedrichshausen eine beliebte stadtnahe Wohngemeinde vor Frankenberg mit rund 390 Einwohnern.

6 Hexentanzplatz

In der Nähe des Listenbachs liegt der sogenannte Hexentanzplatz. Auch er ist Ziel des traditionellen Frankenberger Pfingstzuges. Nach Pfarrer Dr. Hammann soll sich hier ein heidnischer Opferplatz befunden haben. Diese Deutung soll eine Ausgrabung bestätigt haben, bei dem ein Stichgraben durch den neun Meter breiten Platz gezogen wurde. Dabei wurde festgestellt, dass der Wall um diesen Platz von Menschenhand errichtet wurde.

In der Mitte des Platzes befanden sich enggesetzte Sandsteine, um die herum neun weitere Sandsteine ein Oval bilden. Es sei eine Stätte gewesen für das Opfer von Tierblut und Feldfrüchten. Die frühen Missionare haben diesen Opferbrauch verboten und Teile davon in den noch heute jährlich stattfindende Pfingstzug übernommen.

Eine weitere profane Erklärung der künstlichen Gestaltung des Platzes ist, dass der Ort als Köhlerplatz genutzt wurde. Bei der Herstellung der damals lebenswichtigen Holzkohle setzte der Köhler Holzscheite in kegelförmigen Haufen (Meiler) um Pfähle, legte einen mit Reisig und Spänen gefüllten Feuerschacht an und errichtete eine luftdichte Decke aus Gras, Moos und Erde. Über dem Feuerschacht wurde der Meiler entzündet, so dass bei einer Temperatur zwischen 300 und 350°C der Verkohlungsprozess einsetzte. 6 bis 8 Tage dauerte der Prozess, während der Köhler darauf achten musste, durch Regelung des Windzugs – durch Aufstechen und Wiederverschließen von kleinen Löchern – den Meiler weder erlöschen noch in hellen Flammen aufgehen zu lassen.

Essen und Trinken

  • viele Einkehrmöglichkeiten in Frankenberg