Extratour Junkernpfad

JunkernpfadLogo ExtratourenFolgen Sie uns durch den Junkernwald zwischen Schönstadt und Bracht, versetzen Sie sich in die Zeit der Bandkeramiker, die ehemals am Hirschberg siedelten, und erfahren Sie etwas über die Mühlen im Tal des Roten Wassers.

Die Extratour rund um den geschichtsträchtigen Junkernwald bietet eine abwechslungsreiche Landschaft mit Panoramablicken bis zum Vogelsberg und Kellerwald. Den schönsten Eindruck vom Junkernpfad erhält der Wanderer, wenn er der Nummerierung der Info-Tafeln folgt. Dabei erfährt er über die Bedeutung der Familie von Milchling, welche seit dem 13. Jahrhundert die Gegend des südlichen Burgwaldes geprägt hat.

Vorbei an steinzeitlichen Siedlungsstellen, romantischen Mühlen und Teichen am sagenumwobenen Roten Wasser, das im Herzen des Burgwaldes entspringt, umrundet der Weg das geschlossene Waldgebiet, bis er wieder am Ausgangspunkt den Cölber Ortsteil Schönstadt erreicht.

Unser Tipp: Eine ausgedehnte Wanderung von ca. 27 km Länge kann unter Einbeziehung der Extratour „Rotes Wasser” unternommen werden. Dazu muss man bei den Teichen Richtung Brachter Dorfmitte zum Wanderportal an der Kirche gehen (etwa 1 km).

Höhenprofil Junkernpfad

1 Schönstadt

Schönstadt, ein Ortsteil von Cölbe, urkundlich im Jahr 1225 als „Schonstadt“ erwähnt, war bereits damals Gerichtsort. Geprägt wurde seine Geschichte seit dem 13. Jahrhundert durch die Herren von Fleckenbühl und die Familie von Milchling. Die Familie von Fleckenbühl war ein wehrhaftes, niederadliges Geschlecht mit beträchtlichem Grundbesitz innerhalb des Gerichtes Schönstadt. Die Gebäude ihres ehemaligen Schlosses werden heute von der bundesweit bekannten Suchthilfeeinrichtung Fleckenbühl genutzt.

Weniger mit dem Gericht Schönstadt als vielmehr mit dem Ort selbst ist die Familie Milchling von und zu Schönstadt verbunden. 1749 baute sie anstelle einer Wasserburg das heutige Schloss. 1937 wurde Georg Dietrich Milchling als letzter seines Geschlechts beigesetzt. Heute leben in Schönstadt rund 1600 Einwohner.

2 Junkernwald und „Junkersgrab“

Das in sich geschlossene, 320 ha große Waldgebiet zwischen Schönstadt und Bracht wird als Junkernwald bezeichnet. Der Wald ist ein Ausläufer des Burgwaldes, nur getrennt durch das Rote Wasser Tal. Der Junkernwald befindet sich in Privatbesitz und wird seit ca. 30 Jahren nach den Grundsätzen der „Naturgemäßen Waldwirtschaft“ bewirtschaftet. Daher weist er auf kleinstem Raum verschiedene Bäume allen Alters auf und bietet vielfältigen Lebensraum für Flora und Fauna.

Auf Wunsch der Familie Milchling wurde 1798 hier im Junkernwald das Erbbegräbnis errichtet. In den folgenden Jahren wurden 11 Familienmitglieder in diesem Erbbegräbnis bestattet oder mit einer Gedenktafel verewigt. Das Familienwappen, das sich die Vereine aus Schönstadt zu Eigen gemacht haben, begleitet uns als Zusatzmarkierung auf dieser Extratour.

3 + 4 Aussichtspunkte

Panoramablicke bis hin zur Amöneburg, zum Vogelsberg, Hoherodskopf, Mönch– und Kellerwald.

4a Hutewald

Durch Beweidung und die damit verbundene Auslese besonders ertragreicher Bäume mit für das Vieh nutzbaren Früchten, wie Eicheln, Bucheckern, Holzäpfeln oder Haselnüssen, entstanden in Mitteleuropa seit der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter lichte unterwuchsarme Wälder, die von tief beasteten Hutebäumen geprägt waren. Teile des Junkernwaldes, wie auch des gesamten Burgwalds, wurden zur Waldweide genutzt. Die Viehherden aus den umliegenden Dörfern, vor allem aus Schönstadt, wurden hier eingetrieben.

Die Zuordnung der heimischen Herden mit ihren Viehhirten zu bestimmten Waldorten war nach altem Herkommen weitgehend festgelegt. Für die fremden „gedingten Schweine”, die über oft sehr weite Strecken heran getrieben wurden, musste „Mastgeld” entrichtet werden – eine gute Einkommensquelle für die Grundherren. Um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu gewährleisten, wurden die Flächen örtlich zugeteilt und Triften abgegrenzt. An dieser Stelle bestand eine solche Trift.

5 Flugplatz und Bandkeramikersiedlung

1937 weihte das Reichsluftfahrtsministerium einen Feldflugplatz ein, der nur kurzzeitig zu Beginn des Krieges gegen Frankreich an Bedeutung gewann. Nach Kriegsende wurde ein Flüchtlingslager errichtet. Nach Freigabe für die zivile Nutzung entstand der Ortsteil Bracht-Siedlung. 1949 und bei späteren Grabungen wurden an dieser Stelle und der Umgebung umfangreiche Funde gemacht, die auf eine Steinzeitsiedlung aus der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends hinweisen.

6 Bracht

Urkundlich wurde Bracht erstmals 1241 als „Brachtfa“ erwähnt. Nach jahrelangen Besitzstreitigkeiten zwischen dem Mainzer Erzbischof und den Landgrafen von Hessen wurde Bracht „herrschaftlich“, also im Langsdorfer Vertrag 1263 dem Landgrafen zugesprochen. Das landgräfliche Jagdhaus von 1721 in Bracht diente, neben weiteren „Diensthöfen“ in der Region, den Landgrafen und Fürsten neben dem Jagdaufenthalt im Burgwald auch als geheimer Konferenzort für ihre politischen Entscheidungen. Heute leben im Rauschenberger Stadtteil Bracht rund 950 Menschen.

7 Der Burgwald

Der Burgwald ist mit einer Fläche von ca. 20.000 ha eines der größten unzerschnittenen Waldgebiete Hessens. Erstmals wird der Burgwald im Vertrag von Langsdorf 1263 als „Burchholz“ erwähnt. Mit dem Naturschutzgebiet Christenberg begann 1978 die Umsetzung eines Biotop-Verbundsystems, mit dem den Burgwald in seiner ökologischen Funktion gesichert werden soll.

Hierbei werden insbesondere die in den Kernzonen liegenden seltenen Moorbiotope miteinander verbunden und langfristig in einem naturnahen Zustand erhalten. Seltene und gefährdete Tiere und Pflanzen finden so im Burgwald einen Lebensraum.

8 Die Waldmühle und das Rote Wasser

Seit zwölf Generationen ist die vermutlich 1525 erbaute und 1630 im Eigentum des Landgrafen von Hessen stehende Waldmühle im Besitz der Familie Ungemach. Die Mühle war bis 1942 in Betrieb und hatte eine durchschnittliche Mahlleistung von 60 Tonnen/Jahr. 1958 wurde ein neues Wasserrad installiert, das seitdem den Schrotgang für die Landwirtschaft antrieb.

Erste Erwähnung findet das Rote Wasser 1485 als „Bracht“. 1766 erhielt es in einem Steuerbuch die Grundlage für seinen heutigen Namen: Rode Wasser. Das Quellgebiet des Roten Wassers befindet sich auf den Brücher Wiesen im Herzen des Burgwaldes auf 300 m Höhe.

9 Die Mühlen am Roten Wasser

Am Roten Wasser liegen zwischen Bracht und Bürgeln sechs Mühlen. Die Dorfmühle in Bracht, die neue Mühle und die Dorfmühle in Schönstadt, die Fleckenbühler Mühle, die Rondehäuser Mühle und die Dorfmühle in Bürgeln. Sie wurden im 13. und 14. Jahrhundert gegründet. Einige wurden noch bis Anfang des 20. Jahrhundert betrieben. Danach erfolgten der Abbau und Verkauf der jeweiligen Mahlwerke und der Umbau zu Wohnhäusern.

Essen und Trinken

  • Cölbe-Schönstadt:
    Hof-Cafe Fleckenbühl,
    Mo.-Fr. 8:-18 Uhr, Sa. 7:30-14 Uhr, So. Ruhetag, Tel. 06426-92210,
    Gaststätte am Flugplatz,
    Mo.+Di.-Fr. ab 15 Uhr, Sa. ab 12 Uhr, So.+Feiertage ab 10 Uhr, Di. Ruhetag, Tel.: 06427-503
  • Rauschenberg-Bracht:
    Pizzeria Zum Burgwald,
    Mo-Sa. ab 17 Uhr, So. 11-14 Uhr u. ab 17 Uhr, an gesetzl. Feiertagen geöffnet, Tel. 06425-616